Möglichst umfassende Barrierefreiheit soll zukünftig das Alltagsleben behinderter Menschen erleichtern. Dies sieht das vom Bundestag verabschiedete Gleichstellungsgesetz vor. Nachfolgend die Eckpunkte:
¯ Zielvereinbarungen zwischen Unternehmen und Verbänden sollen künftig den Rahmen ausfüllen, den das Gesetz schafft. Die Beteiligten treffen in eigener Verantwortung Regelungen, wie und in welchem Zeitraum Barrierefreiheit konkret zu verwirklichen ist.
¯ Benachteiligungsverbot für Behörden bedeutet, dass kein Amt einem Behinderten etwa die Ausübung eines Berufes wegen des Handicaps untersagen darf. Im Wirtschaftsleben sollen Behinderte einen Schadenersatzanspruch erhalten, wenn sie bei einer Bewerbung vom Arbeitgeber wegen der Behinderung abgelehnt werden.
¯ Barrierefreiheit im Bau- und Verkehrsbereich ist künftig für neue Dienstgebäude vorgeschrieben. Sie müssen rollstuhlgeeignet sein. Auch die Bahn wird dazu angehalten, ihre Neufahrzeuge und neuen Anlagen entsprechend zu planen und zu bauen. Gaststätten in neu errichteten Gebäuden sollen ebenfalls für Rollstuhlfahrer bequem zugänglich sein.
¯ Gebärdendolmetscher sollen Hörbehinderten in Verwaltungsverfahren helfen, mit allen Bundesbehörden zu kommunizieren. Die Betroffenen haben auf die Gebärdendolmetscher in diesen Fällen einen Rechtsanspruch.
¯ Ein eingeschränktes Verbandsklagerecht für Behindertenverbände gibt diesen die Möglichkeit, Behördenentscheide gerichtlich überprüfen zu lassen.
¯ Barrierefreie Wahlen meint, blinden Menschen bei Bundestagswahlen durch Wahlschablonen die Abstimmung ohne fremde Hilfe zu ermöglichen.
¯ Chancengleichheit beim Hochschulstudium soll erreicht werden, indem neben der behindertengerechten Gestaltung der Gebäude auch bei Prüfungen die Belange Behinderter besonders berücksichtigt werden.
Dpa
Gefordert: Barrierefreies Internet
Internet-Projekt "Web for All" stellt sich in der Heidelberger "Print Media Academy" vor. Ein Kongress folgt im Mai.
Als Anna Courtpozanis zum ersten Mal im Internet surfte und E-Mails verschickte, hatte die Blinde das Gefühl, "das Tor zur Welt tut sich auf". Doch oft bleibt dieses Portal auch verschlossen, wenn Web-Seiten so gestaltet sind, dass behinderte Menschen sie nicht benutzen können. Auf einer Informationsveranstaltung stellte der Verein zur beruflichen Integration und Qualifizierung (Vbl) in der Print Media Academy das Projekt "Web for All" vor.
Stefan Berninger, selbst körperbehindert, begrüßte die Gäste und freute sich über die große Resonanz. Während in den USA die Gleichstellung Behinderter schon längst Gesetz ist, wurde in der Bundesrepublik erst im Februar im Bundestag ein Gleichstellungsgesetz beschlossen. Und während in den Städten inzwischen weitgehend Bordsteinkanten abgesenkt und Niederflurstraßenbahnen eingesetzt werden, sind Web-Seiten für Behinderte oft noch unbrauchbar. Zu geringe Kontraste, zu kleine Schriften, verwischte Farben und winzige Schaltflächen für Mausklicks machen auch älteren Menschen das Computerleben schwer.
Dass es auch anders geht, demonstrierte Anna Courtpozanis dem Publikum höchst eindrucksvoll. Die 37-Jährige hat nach einer Familienpause ihr Sozialpädagogik-Studium wieder aufgenommen und mit Hilfe ihres Laptops so erfolgreich abgeschlossen, dass sie inzwischen eine Anstellung bei "Web for All" hat. Bei Computer-Programmen für Blinde liest ein "screenreader" die den Webseiten unterlegten Texte und übersetzt diese in gesprochene Sprache oder in Blindenschrift. Auch eine Braille-Leiste an ihrem Laptop tut Anna Courtpozanis gute Dienste, eine Notwendigkeit, die sich nicht alle Blinden leisten können. "Eine Braille-Leiste kostet 6000 Euro", weiß sie.
Wichtig ist dagegen, dass Kontraste und Farben am Browser eingestellt werden können. Weiße Schrift auf dunklem Grund beispielsweise ist gut lesbar, auch ein leuchtendes Blau wissen sehbehinderte Menschen zu schätzen. Am 14. Mai wird das Thema "Barrierefreies Internet" auf einem Kongress in der Print Media Academy vertieft. Informationen sind im Internet zu finden unter der Adresse www.webforall.info RNZ/sal
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Letzte Aktualisierung dieser Seite am: 12.12.2003
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